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Herstellung einer Kalkfarbe mit Eisenvitriolgelb

Haus mit Kalkfarbe und Eisenvitriol gestrichenEisenvitriol wurde seit Jahrhunderten verwendet. Eisenvitriol hemmt Algenwachstum und ist als eine sehr haltbare Kalkfarbe angesehen. Dadurch ist es ein sehr beliebter Fassadenanstrich im skandinavischen Raum.

In Schweden etablierte Eisenvitriol sich ab Mitte des 18.Jahrhunderts. Man mischte es sowohl in den Putzmörtel und in den Kalk. In den späteren Jahren wurde Eisenvitriol, besonders in Schweden in reines Kalkwasser gemischt und ergab eine lasierende Oberflächenbehandlung.

 

In Dänemark ist eine Kalkfarbe mit Eisenvitriol eine der beliebtesten Fassadenfarbe. Den charakteristischen warmen rostgelben Farbton bezeichnet man auch als „Nybodergelb“, benannt nach dem idyllischen Stadtteil Nyboder in Kopenhagen. Das Wohnquartier mit den gelben Reihenhäusern entstand im 17. Jahrhundert, zu einer Zeit, als der Wohnraum in Kopenhagen knapp war. Deshalb ließ Christian IV. außerhalb der Stadtwälle über 600 Wohnungen für Seeleute der königlichen Marine bauen. Die Wohnhäuser in diesem Quartier sind mit Eisenvitriolgelb gekalkt. Dort kann man gut beobachten, wie der Farbton sich mit der Zeit ändert. Durch die Feuchtigkeit in der Luft bilden sich warme rotbraune Felder die ein wunderschönes Farbenspiel ergeben. Je nach Mischungsverhältnis im Kalk und den Feuchtigkeitsverhältnissen im Mauerwerk und der Umgebung kann die Farbe eines Eisenvitriolkalkanstriches von hellem Gelb bis dunklem braunorange variieren.

Die chemische Reaktion, die den Eisenvitriolkalk dunkler färbt, wird wesentlich verstärkt durch Feuchtigkeitseinflüsse. Dadurch erklärt sich auch, dass die dunkleren Flächen häufig im unteren Bereich der gemauerten Flächen, an Häuserecken und -kanten, entlang undichter Regenrinnen zu finden sind. Hier ist der Einfluss von Feuchtigkeit und Nässe deutlich höher.

Auch der Schichtaufbau hat Einfluss auf die farbliche Wirkung. Zwei Schichten im selben Mischungsverhältnis ergeben einen dunkleren intensiveren Farbton, als eine einfache Schicht.

Möchte man nicht, dass die darunterliegende Schicht durchschimmert, empfiehlt es sich eine dünne weiße Kalkschicht aufzutragen.

Eisenvitriolkalk eignet sich besonders gut auf leicht unebenen Flächen, denn das lebendige Eisenvitriol verschleiert diese, indem die eigene Farbigkeit dadurch betont wird.

Eisenvitriol hinterlässt braune Flecken, die nur schwer zu beseitigen sind. Daher ist es ratsam Handschuhe und passende Arbeitskleidung zu tragen.

Möchte man Probeanstriche anfertigen, sollte man beachten, dass die frische Kalkprobe deutlich heller ausfällt und erst mit der Zeit nachdunkelt.

Mit Eisenvitriolkalk zu arbeiten erfordert etwas Erfahrung, aber es muss immer ein erstes Mal geben.

Mischungen - Rezepte

Eisenvitriolkalk wird aus zwei Stammmischungen hergestellt: einer angerührte weiße „Kalkmilch“ und einer Eisenvitriolmischung. Wenn diese beiden Mischungen zusammengerührt werden, bekommt man eine flockigere, mit grünen Streifen versehene Kalkmischung. Rührt man diese gründlich und kräftig wird sie ebener und mehr oder weniger hellgrün, je nach Mischungsverhältnis. Die Mischung kann zu Beginn grün gepunktet erscheinen, das hebt sich aber nach und nach auf.

Die angerührte Mischung lässt sich, wenn sie luftdicht verschlossen wurde und frostfrei lagert, über längere Zeit aufbewahren.

Stammmischung:

Weiße Kalkmilch 1:5

1Teil Kalkteig (pasten-/quarkähnliche Konsistenz) mit 5 Teilen Wasser oder Kalkwasser gut verrühren

Eisenvitriol 1:5

1 Teil Eisenvitriolpulver oder Kristalle wird mit 5 Teilen warmen Wasser (ca. 60 Grad Celsius) verrührt

Eisenvitriolkalk

Fertigmischung

Die drei beschriebenen „Stärken“ lassen auch in anderen Mengenverhältnissen anrühren, man sollte sich das Mischungsverhältnis unbedingt notieren.

Die sehr hellen Mischungen 1:15 – 1:20 ergeben einen Farbton der sehr an französisch gelben Ocker erinnert. Die hellen Mischungen sind sehr haltbare Kalkmischungen.

Hell: 1:20

Diese Mischung erscheint fast wie der NCS Ton S 0510- Y40R, aber nach einem halben bis ganzem Jahr hat der Farbton eine Intensität, die vergleichbar mit dem NCS-Ton S 1020 - Y30R ist.

1 Teil Eisenvitriol (1:5) gemischt mit 20 Teile Kalkmilch (1:5)

Mittel 1:5

Diese Mischung ergibt einen „normalen“ Farbton, der nach einem halben bis ganzem Jahr einen gelben Ocker Farbton erreicht. Frisch aufgetragen ist der Farbton vergleichbar mit dem NCS-Ton 1020-Y30R, der 1 Jahr alte Anstrich ist vergleichbar mit dem NCS Ton S2040- Y30R.

1Teil Eisenvitriol (1:5) gemischt mit 5 Teile Kalkmilch (1:5)

Dunkel 1:1

Diese Mischung ergibt einen sehr kräftigen und dunklen Farbton. Frisch gestrichen entspricht er in etwas dem NSC Ton 2050- Y40R und nach ca. 1 Jahr NCS S2570- Y40R. Diese recht dunkle Mischung hat die Tendenz leicht abzufärben.

1 Teil Eisenvitriol (1:5) gemischt mit 1 Teil Kalkmilch (1:5)

Den Mischungen kann man, um eine streichbarere Konsistenz zu bekommen, nach Bedarf etwas klares Kalkwasser hinzufügen. So lässt sich die Mischung besser auf einen angefeuchteten Untergrund Nass-in-Nass auftragen und erhält damit ein besseres Ergebnis.

 

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