Traditionelle Rostschutzbehandlung mit Leinölfarbe

Leinölfarben haben Tradition als Rostschutzbehandlung, allerdings wurde dort mit Bleimennige gearbeitet. Eisenmennige ist die ungiftige Alternative. Eisenmennige besteht aus Hämatit, Fe2O3, ein natürliches Eisenoxid. Es wird fein zermahlen und geglüht, danach mit Leinöl verrieben und zu einer Farbe angerührt. Das Pigment Eisenmennige/Hämatit ist ungiftig und unsere Farbe mit Eisenmennige und Leinöl angerührt, beinhaltet keine gefährlichen Lösemittel. Hämatit liegt niedriger in der Spannungsreihe als reines Eisen und funktioniert damit als Opferschicht, die damit zuerst zersetzt wird. Es ist wichtig eine deckende und kräftige Schicht von ca. 0,5mm aufzutragen. Da Leinölfarben dünn aufgetragen werden müssen, um Faltenbildung zu verhindern, empfiehlt es sich zwei Schichten von ca. 0,25mm Dicke aufzutragen. Das Pigment muss unbedingt frei von Schwefel/Sulfaten sein, da diese sich in Wasser auswaschen und damit die Farbschicht porös und damit unwirksam machen würde. Man sollte daher darauf achten, natürliche Hämatit nicht mit künstlich hergestellten Eisenoxiden zu verwechseln. Diese beinhalten Gips (Calciumsulfat), Feldspat u.a. und wirken rostfördernd auf Eisen. Unser Eisenmennige ist das reine wasserfreie Eisen(III)oxid. Das Pigment Hämatit ist sehr schwer und wird sich schnell in einer mit Leinöl angerührten Farbe am Boden absetzen. Es ist daher wichtig währende der Arbeit die Farbe regelmäßig aufzurühren.

Traditionell wurde eine Rostschutzbehandlung auf Eisen mit der Leinölfarbe Graphit schwarz oder grau abgeschlossen. Der wirklich schöne metallische Ausdruck von Graphit passt wunderbar zu Metall.  Auch das Graphitpigment, eine Mischung aus Steinkohle und eisenhaltigen Mineralen, ist ungiftig und funktioniert ebenfalls als eine Art Opferfarbschicht. Auch hier empfiehlt es sich die Leinölfarbe beim Streichen immer wieder gut umzurühren. Nach einer Rostschutzbehandlung mit Eisenmenninge, können Sie natürlich auch mit jedem beliebigen Farbton aus der Leinölfarbpalette die Metallteile überstreichen. Wichtig ist die Konsistenz der Leinölfarbe, da Metalle keine stark saugenden Untergründe darstellen, ist es wichtig, dass der Leinölanteil in der Farbe deutlich geringer gehalten wird.
 
Leinölfarben müssen mit Pinsel aufgetragen werden, nur so stellt man eine gute Verbindung zum Untergrund her. Die Farbe reibt man förmlich auf die Metalloberfläche auf. Das ist arbeitstechnisch eine aufwendigerer Tätigkeit als bei herkömmlichen Produkten, aber nur so kann die Farbe, was sie kann. Denn bei dieser Arbeit sehen Sie ja als Maler den Untergrund und können darauf achten, dass die Farbe auch überall gut haftet.
 
Die optimale Behandlung von Eisen ist ganz davon abhängig, mit welchem Eisentyp wir es zu tun haben. Ist es Schmiedeeisen, gewalzter Stahl oder gußeiserner Stahl, der verwendet wurde? Schmiedeeisen enthalten oft mikroskopisch kleine Hohlräume, die dazu führen, dass im Inneren Rost gebildet wird. Hier ist eine Rostschutzbehandlung äußerst schwierig. Gewalzter Stahl ist homogener als schmiedeeiserner Stahl, ist kompakter und daher rostbeständiger. Sowohl beim schmiedeeisernen Stahl, als auch beim gewalzten Stahl ist das Eisen nie komplett geschmolzen, was beide etwas anfälliger für Rost macht und damit die Rostschutzbehandlung schwieriger gestaltet. Komplett geschmolzerner Stahl, also gußeiserner Stahl dagegen ist recht widerstandsfähig.
 

Behandlung des Untergrunds vor dem Farbauftrag 

Besonders altes Eisen lässt sich sehr gut mit Eisenmennige behandeln. Hier entfernt man zuerst den Rost mit einem Druckluft-Nadelhammer, da dieser auch Rostschollen entfernt, die oft etwas verborgen liegen. Danach wird das Eisen mit einer rotierenden, kräftigen Stahlbürste nachbearbeite. Ist die Metalloberfläche entrostet muss das Eisen unbedingt trocken sein. Es darf keine feine Wasserschicht auf der Oberfläche sein. Das heißt auch, nicht bei hoher Luftfeuchtigkeit oder Nebel Metallgegenstände im Außenbereich streichen.
Wenn Sie Metalloberflächen behandeln wollen, die direkt Wind und Wetter ausgesetzt sind, ist ein wichtig zwischen Eisenmennige und dem Wunschfarbton eine Zwischenbehandlung mit grauer Alkydharzfarbe aufzutragen. Die Leinölfarbe ist zu diffusionsoffen, diese generell sehr gute Eigenschaft führt hier leider dazu, dass sich Rostdurchschläge bilden können. Alkydharz und Leinölfarbe arbeiten sehr gut miteinander, sie sind miteinander verwandt und der Alkydharz haftet gut auf der Leinölfarbe. Alkydharz bringt die nötige Dichte mit, um Wasserdampf abzuhalten. Anschließend kann weiter mit Leinölfarbe in jedem beliebigen Farbton gearbeitet werden.
 
Die Haltbarkeit eines Anstriches mit Leinölfarbe wird durch die Bedingungen bestimmt. Das Bindemittel Leinöl wird mit der Zeit verwittern und die Oberfläche immer matter erscheinen. Hier muss man beobachten, ab wann die Oberfläche eine "Auffrischung" benötigt. Das kann einen dünnen einfachen Anstrich mit der Farbe bedeuten oder einfach nur eine Behandlung mit dem reinen Bindemittel. Hier würde man Leinölfirnis aufbringen, um die "lose" sitzenden Pigmente wieder zu binden. Leinölfarben müssen nie komplett abgenommen werden, sie werden nicht abblättern oder reißen. Sie bleiben elastisch und können so bei Bewegungen des Metalls problemlos folgen. Leinölfarben überzeugen optisch durch ein sehr schönes  Ergebnis. Da die Farbe wirklich dünn aufgetragen werden muss und sie nicht wie ein Überzug funktioniert, bleibt die Materialität des Untergrundes für den Betrachter immer ablesbar. Damit drängt sich die Farbe nie in den Vordergrund, sondern betont immer das Objekt.